Volker Kreidler wird 1962 in Baden-Württemberg geboren. Mit 18 Jahren absolviert er eine Fotografenlehre im elterlichen Betrieb. Später studiert er an der FH Dortmund Fotodesign (1988-1994). Heute arbeitet Volker Kreidler in vierter Generation als Fotograf in Berlin. Sein Urgroßvater, Leonhard Kreidler, gründet 1880 eines der ersten Portraitstudios. Zum Zeitpunkt der Geschäftgründung erlebt das Bürgertum gerade einen Aufschwung. Es macht sich ein neues Selbstverständnis breit, das photographiert werden möchte. Fortan hält Leonhard Kreidler die Menschen seiner Zeit mit der Großbildkamera fest. Auch Volker Kreidler arbeitet ausschliesslich mit der Großbildkamera. Die Auswahl der Motive vor Ort stellt deshalb den essenziellen Teil seiner Arbeit da. Während die fotografische Verwandtschaft der nachfolgenden Generationen der klassischen Portraitphotographie treu bleibt, interessiert sich Volker Kreidler zunehmend für die Kunst. Kreidlers großes Thema ist ‘Europa’. Insbesondere die Topographien und Menschen Ost- und Mitteleuropas, die den Schwerpunkt seiner Arbeit bilden. Denn Schon Früh zieht es den ‘westdeutschen’ Künstler in das ‘andere’ Europa, nach Tschernobyl, wo 1994 seine Ost- und Mitteleuropareisen beginnen. Die Sozialgeographie ist Volker Kreidlers Leitmotiv. Als Makroebene, zieht es sich durch sein Gesamtwerk und untersucht die Wechselwirkung von Mensch und Raum: Die symbolische Produktion von Räumen, Orten, Landschaften, Kraftströmen. Wie verändert sich das Gesicht Europas, wenn neue und alte Beitrittsländer zusammenwachsen, Verkehrswege entstehen oder wieder aufleben, Güter und Wissen ausgetauscht werden? Wie verändern sich Topographien, wenn eine Landschaft zum Erholungsgebiet, zum Grenzgebiet und weiter zur Frontlinie wird? und anders herum: Wie wirken sich Geographien auf Grenzziehung, Besiedlung und nicht zuletzt die Existenz einer Gesellschaft aus?

Auf der Mikrobebene befassen sich Volker Kreidlers Arbeiten mit vergangener und gegenwärtiger europäischer Geschichte. Der Künstler absorbiert Geschichte in großformatigen Fotoarbeiten. Im Prozess wird Banalität zum Träger des Bedeuteten. Die Folge: Es entstehen fotografische Vermessungen geschichtsträchtiger Orte ohne die Produktion eines rückwärtsgewandten und historisierenden Bildes. Bezüge zur klassischen Landschaftsmalerei sind beabsichtigt. Volker Kreidler nimmt mit seinen Arbeiten an mehreren Einzel- und Gruppenausstellungen teil, unter anderem 1994 bei ‘Tschernobyl’ (Deutsches Hygiene Museum Dresden), 2000 bei ‘Architekturparalelle’ (Haus der Künste Moskau), 2003/04 bei ‘Planschrank Moskau- Orte einer Hauptstadt’ (IFA-Galerie Berlin, Bonn und Stuttgart), 2006 bei ‘Blick auf Dresden’ (Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Lipsius-Bau), 2012/13 bei ‘Russen und Deutsche’ (Staatliche Museen zu Berlin, Neues Museum). Als jüngste und zugleich wichtigste Arbeit Volker Kreidlers ist die Serie ‘Schlachtfeldtopographien’ zu betrachten, deren erste Aufnahmen zwischen 2011/12 in zusammenarbeit mit dem Neuen Museum in Berlin entstanden und im Zuge des Ausstellungsprojekts ‘Russen und Deutsche’’ ausgestellt wurden. Die Reihe beschäftigt sich mit Topographien des zweiten Weltkriegs. Die Weiterführung des Projekts wird seit Januar 2014 von der Stiftung Kulturwerke der VG Bildkunst gefördert.